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Adolescence: Das Feuilleton ist heiß – und ich spucke Feuer drauf

  • 28. März
  • 2 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 7 Tagen

Wenn man sich die aktuellen Feuilletons und Medienberichte anschaut, kommt man an einem Thema nicht mehr vorbei: die Netflix Serie Adolescence. Das Feuilleton preist die Miniserie, geht auf die Grundproblematik der Misogynie ein, verurteilt Femizide. Und ja, das Thema ist richtig. Es ist dringend. Und es ist längst überfällig.


Und dennoch ziehen sich die Medien wie gewohnt aus der Verantwortung. Auf einmal brennt die Debatte. Auf einmal erscheinen Artikel, Analysen, Feuilletons. Es scheint so, als ob echte Probleme erst dann flächendeckend angesprochen werden, wenn ein Kulturindustrieller Großkonzern wie Netflix, der Profit aus echten Missständen schlägt, wahre Probleme inszeniert.


In diesem Text wird es keine Serienkritik geben. Kein Lob, kein Verriss. Stattdessen eine Kritik an der kapitalistischen Aufmerksamkeitsökonomie – und an dem Journalismus, der seine Stimme erst erhebt, wenn er nicht mehr der Erste ist, der spricht.

 

 


Seit Jahren kämpfen Feminist*innen um Aufmerksamkeit. Seit Jahren wird über Misogynie und Femizide nur auf den kleinen Bühnen gesprochen. Und selbst wenn die Netflix-Fiktion Realität wird – die Leitmedien schweigen. Zumindest erreichen sie keinen prominenten Platz, versauern in bestimmten Ressorts. Bereits 14 Frauen wurden dieses Jahr allein in Deutschland aufgrund ihres Geschlechts ermordet. 14 Femizide.


Serieninhalte sind mittlerweile die Gatekeeper gesellschaftlicher Aufmerksamkeit. Erst wenn ein Thema popkulturell populär wird, wird es aufgegriffen. Aber warum braucht es Entertainment, um strukturelle Probleme zu erkennen und anzusprechen?

Die Medien feiern die Serie, als ob sie selbst nichts mit der Realitätsverzerrung zu tun hätten. Kritik an Misogynie ja – aber keine Kritik an sich selbst.


Und die Frage darf gestellt werden: Was passiert, wenn der Netflix-Algorithmus weiterzieht? Wird das Thema dann wieder vergessen? Verschwindet es wieder aus den Medien?

 Aus der Vergangenheit lernen wir: ein Thema, und sei es noch so wichtig und brisant, ist nach spätestens 3 Wochen wieder von der Bildfläche des öffentlichen Diskurses verschwunden.

Und hier kommen wir zum eigentlichen Skandal. Femizide gab es schon immer – das Thema ist nicht neu. Aber die Gesellschaft hört erst zu, wenn es unterhaltend ist. Und erst dann, wenn es sich ökonomisch lohnt, wird so eine Serie überhaupt produziert. Warum sehen wir erst das

Leid, wenn es im Serienformat inszeniert wird?



Netflix initiiert mittlerweile das, was der Journalismus leisten sollte. Und an der Stelle sei gesagt, es ist nicht so, dass die Medien nicht auch vom immensen Bass der Serie profitieren würden. Sie bereichern sich am Diskurs, am Leid, an den Opfern. Skandale bringen Klicks. Klicks bringen Geld. Und das ist es, worauf am Ende alle hören. Es braucht journalistischen Mut – nicht nur Serienformate – um Missstände nachhaltig sichtbar zu machen.

 
 
 

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